Modernisierung der Apparate T65, W65, Ericsson und Heemaf

MFV-Töne aus Impulsen generieren

Die 141101-B SMD bauteile.

Das altertümliche Tischmodell T65 der früheren PTT kann heute nur noch in geringem Umfang eingesetzt werden, da digitale Modems u. dgl. nur noch Geräte mit MFV-Tönen akzeptieren und ein Wählen mittels elektrischer Impulse, wie sie ein T65-Nummernschalter während des Wahlvorgangs erzeugt, nicht mehr gestatten.
Für diejenigen, die dennoch solch ein altmodisches Telefon verwenden möchten (mit nostalgischem Schalenwecker anstatt elektronischem Klingelton oder Tonruf) muss der Apparat derart angepasst werden, dass das Betätigen des Nummernschalters keine Stromimpulse mehr, sondern MFV-Töne erzeugt.

Darüber hinaus wird die Erdtaste, die sich bei diesen Apparaten rechts unterhalb des Nummernschalters befindet, nun als Wahlwiederholungstaste umfunktioniert, so dass im Besetztfalle nicht die selbe Nummer abermals am Nummernschalter gewählt zu werden braucht, sondern ein einfacher Tastendruck den Wählvorgang wiederholt.

Obwohl der "Pulse-To-Tone-Converter" ausgezeichnet funktioniert, kann das Schaltungsprojekt aufgrund des alten Kohlekörnermikrofons des T65 nicht mit allen Modems erfolgreich verwendet werden.
Mitunter arbeitet dieses Mikrofon an moderner Elektronik nur notdürftig oder überhaupt nicht, wodurch die Gegenstelle den Sprecher kaum oder gar nicht verstehen kann.
Folglich ist es klug, den T65 zunächst in seinem ursprünglichen Zustand mit der Modemelektronik zu testen, um festzustellen, ob die Elektronik überhaupt mit diesem Apparat korrekt arbeitet.

Diese alten Fernsprechapparate werden regulär sehr günstig auf Gebrauchtwaren-Seiten wie Marktplaats (niederländische Gebrauchtbörse, der Übersetzer) angeboten.
Sie müssen nur eben diese kleine Platine aufbauen, und schon können Sie wieder im alten Stil telefonieren. 


Der erste Apparat ist der uralte T65 (T = Tischfernsprecher).
Der zweite Apparat ist der W65 (W = Wandfernsprecher).
Der dritte Apparat ist ein PTT-Ericsson-Wandmodell.

 

Der alte Ericsson-Apparat weicht in Bezug auf die Anschlusskabel von den T65- und W65-Apparaten ab.
Hier gibt es mehr Informationen darüber, wie die Platine 141101 an den Ericsson-Apparat anzuschließen ist.


Kurzbeschreibung des Standardapparates T65

Situation 1: Es kommt ein Ruf an.
Durch eine ziemlich hohe Spannung (bis etwa 160 volt), die an La und Lb anliegt, wird der Wecker zum Klingeln gebracht.
Wird der Handapparat abgenommen, schalten die Wechselkontakte HCI und HCII des Gabelumschalters um, und der Wecker wird abgetrennt.
Ebenfalls wird nun eine Verbindung zu Hörkapsel und Mikrofon des Handapparates hergestellt.
Der Übertrager der Hörkapsel hat eine lustige Aufgabe.
Dadurch dass das Mikrofon mit zwei identischen, aber gegenphasigen Wicklungen (1 - 2 und 3 - 4) verbunden ist (das Mikrofon ist mittig geschaltet, der Übersetzer), wird der empfangene Schall gut an die Hörkapsel im Handapparat weitergegeben, jedoch der vom eigenen Mikrofon aufgenommene Schall nahezu nicht, wodurch man sich selbst kaum im Hörer hört (sog. "Rückhördämpfung", der Übersetzer).
Diode D1 - und in manchen Apparaten auch Diode D2 - schützt, bzw. schützen das Ohr des Benutzers vor hohen Pegel-Störspitzen (sog. "Gehörschutzgleichrichter", der Übersetzer).


Schaltplan des Telefons T65 im Originalzustand, gezeichnet im Ruhezustand bei aufgelegtem Handapparat.

 
Situation 2: Jemanden anrufen.
Der Handapparat wird vom Gabelumschalter abgenommen, wodurch der Wecker abgetrennt wird und Handapparat und Nummernschalter mit der Leitung verbunden werden.
Bei Betätigung des Nummernschalters wird zuerst Kontakt S2 geschlossen, wodurch absichtlich ein Kurzschluss entsteht.
S2 hat jedoch eine Doppelfunktion; dieser sorgt nicht nur für einen Leitungs-Kurzschluss, wenn am Nummernschalter gedreht wird, sondern überbrückt ebenfalls Hör- und Sprechkapsel, wodurch die Wählimpulse des Kontaktes S1 während des Nummernschalter-Ablaufs durch die Hörkapsel nicht hörbar sind.

Die Kontakte S1 und S2 sitzen im Nummernschaltergehäuse, wobei S1 im Ruhezustand geschlossen und S2 geöffnet ist (wie im Schaltplan gezeichnet).
Wird nun der Nummernschalter betätigt, schließt S2 sofort und öffnet erst dann wieder, wenn der Nummernschalter ganz in den Ruhezustand zurückgekehrt ist.
Wenn nun also eine Ziffer am Nummernschalter aufgezogen wird, wird S2 geschlossen, S1 ist aber auch weiterhin noch geschlossen, also entsteht ein Kurzschluss in der Leitung.
Nur durch das bloße Selbstablaufen des Nummernschalters (Zurücklaufen, der Übersetzer) öffnet sich S1 von der Anzahl her abhängig von der gewählten Ziffer.
Wird beispielsweise die Ziffer 9 gewählt, dann wird S1 neunmal während des Ablaufes des Nummernschalters geöffnet.
Bei Ziffer 0 erfolgen nicht null, sondern zehn Impulse.
In dem PIC-Basic-Programm wird dies durch die folgende Eingabezeile klargestellt: IF Cijfer > 9 THEN Cijfer = 0.
Nachdem der Nummernschalter gänzlich zurückgelaufen ist, öffnet sich S2 wieder, und es kann eventuell eine Verbindung hergestellt werden.
(Anmerkung des Übersetzers: Kontakt S1 entspricht dem nsi-Kontakt und Kontakt S2 dem nsa-Kontakt.
Ein nsr-Kontakt ist hier nicht vorhanden, weil der T65 mit dem bekannten Krone-Nummernschalter arbeitet.)

Der Kondensator C1 hat eine Doppelfunktion.
Im Ruhezustand ist er in Reihe mit dem Wecker geschaltet.
Bei Abnehmen des Handapparates vom Gabelumschalter wird der Wecker abgeklemmt; nun bildet C1 mit R1 ein RC-Glied (beide sind über den Impulsschalter S1 des Nummernschalters miteinander verbunden).
Dieses kommt als Funkenlöscher zum Einsatz, um die Lebensdauer der Kontakte S1 zu verlängern.

 
AT = Erdtaste.
Der Erdtaste wird in diesem Projekt die Funktion einer Wahlwiederholungstaste zugewiesen.
Für weitere Informationen siehe Fortsetzung.  

 
EB = Zusatzwecker.
An den Anschlussklemmen 3 und 4 kann ein zusätzlicher Wecker angebracht werden (also in Reihenschaltung mit dem im Telefon eingebauten Wecker).
Wird hiervon kein Gebrauch gemacht, so müssen Klemmen 3 und 4 gebrückt werden, andernfalls klingelt der eingebaute Wecker nicht.
Kontrollieren Sie also, ob diese Verbindung im Telefon besteht!


Der mit neuen Bauteilen ausgestattete T65
Wenn die kleine Platine 141101-B an den T65 angeschlossen und in das Gehäuse eingebaut ist, erzeugt der Nummernschalter MFV-Töne, also keine Impulse mehr.
Die schmal gehaltene Platine kann im Kabelfach des Telefons, wo sich die Anschlussklemmen befinden, untergebracht werden.
Um auf der Platine den Platz für separate Anschlussklemmen einzusparen, müssen die flexiblen Anschlusslitzen(!) unmittelbar an die Platine angelötet werden.
(Anmerkung des Übersetzers: Damit die Platine so klein wie möglich bleibt, hat man hier auf gesonderte Klemmen verzichtet.)

Die SMD Platine ist in komplett aufgebautem und funktionsfähigem Zustand als Ganzes hier bestellbar.


Anschluss der Platine


Den gelben und den roten Draht des Nummernschalters von der Telefonplatine abtrennen und mit gleichfarbiger Litze verlängern.
Die nun frei gewordenen Klemmen Gl und Rd auf der Telefonplatine miteinander verbinden.

 

 

Die Anschluss steht auch an die rückseite von der platinen vermeldet.
 

Im Telefon wird kein Gebrauch von den EB-(Zweitwecker-) und Erdtasten-Anschlussklemmen mehr gemacht, weshalb diese Anschlüsse im Telefonstecker auch abgeklemmt werden müssen.

Die grüne Litze (Punkt 2 der Platine 141101-B) muss an Anschlussklemme 2 des T65 angeschraubt werden.
Der kurze rote Draht (Punkt 6 der Platine 141101-B) muss an Klemme 6 des T65 angeklemmt werden.
Der blaue Draht (Punkt 3 der Platine 141101-B) wird mit Klemme 3 des T65 verbunden; auf dieser Klemme sitzen auch schon der blaue Draht der Telefonleitung und der gelbe Draht, der nach Punkt 4 geht.
(Anmerkung des Übersetzers: Die auf Klemme 3 bereits vorhandenen Drähte werden also beibehalten.)

Nun werd der gelbe Draht des Nummernschalters von der Telefonplatine abgeklemmt und jeweils an den gelben Draht (Punkt Y) der 141101-B-Platine angeschlossen (siehe Foto).
Also werd der rote Draht des Nummernschalters von der Telefonplatine abgeklemmt und an den roten Draht (Punkt R) der 141101-B-Platine angeschlossen.
(Älterer Beitrag, der Übersetzer:) Den gelben und den roten Draht des Nummernschalters von der Telefonplatine abtrennen und mit gleichfarbiger Litze verlängern.

Im Telefon selbst müssen die zwei Anschlussklemmen Gl und Rd, mit denen vormals der gelbe und der rote Draht des Nummernschalters verbunden waren, nun gebrückt werden, siehe Schaltzeichnung bei dem roten dicken Pfeil.
(Älterer Beitrag, der Übersetzer:) Die nun frei gewordenen Klemmen Gl und Rd auf der Telefonplatine miteinander verbinden.

Verwenden Sie soweit wie möglich flexible Drahtlitzen in den angegebenen Farben (diese werden mit der Printplatine mitgeliefert).


 

D1, D2, R1, R2 und C1 sitzen alle bereits auf der Telefonplatine des T65.
Um Verwirrungen zu vermeiden, wird die Nummerierung der Bauteile auf der Platine 141101 fortgesetzt.
 

Am Baustein liegt Spannung an, sobald der Handapparat vom Gabelumschalter abgenommen wird.
ZD1 begrenzt zusammen mit D3 und R3 die hohe Leitungs-Gleichspannung bis auf rund 5 volt.
Der Widerstand R6 sorgt dafür, dass sich C2 schnell entlädt, wenn der Handapparat eben einmal ganz aufgelegt wird; andernfalls wäre der PIC-Baustein noch nicht zurückgesetzt, wenn danach schnell der Handapparat wieder aufgenommen wird.

Die Schottkydiode D4 dient der Spannungsbegrenzung der hinter S3 und R7 anliegenden Spannung bis auf etwa 5 volt.
R5 ist als Pulldown-Widerstand geschaltet, um den GPIO.3-Port (GPIO = General Purpose Input/Output, der Übersetzer) TIEF zu halten, wenn nicht auf S3 gedrückt wird.

Die Wahl fiel auf einen schnellen 20-MHz-Quarz, um ein möglichst schönes MFV-Signal erzeugen zu können.
Dieses MFV-Signal wird über R4 und C3 auf die a-Ader gelegt.

Wann immer der Handapparat auf dem Gabelumschalter aufliegt, liegt keine Spannung am Baustein an, weil am Kontakt des Gabelumschalters HCI (d – f) dann die Verbindung zur a-Ader unterbrochen ist.
Allein der Wecker liegt in Reihe mit C1 an den Leitungspolen a und b.
Sobald der Handapparat vom Gabelumschalter abgenommen wird, liegt Spannung am Baustein an, und es ist möglich, jemanden durch Betätigen des Nummernschalters anzurufen oder aber mit Hilfe der Wahlwiederholungstaste (S3, AT) die zuletzt gewählte Rufnummer zu wählen.


Die Wiederholungstaste
 

Wahlwiederholung
Die Wahlwiederholungstaste funktioniert nur dann, wenn der Handapparat vom Gabelumschalter abgenommen wird, wenn der Nummernschalter unberührt bleibt und wenn statt dessen sofort auf diese Taste gedrückt wird.
Wurde der Nummernschalter allerdings schon etwas bewegt, funktioniert die Wahlwiederholungstaste nicht mehr; es muss dann erst wieder der Handapparat auf den Gabelumschalter aufgelegt werden, um den PIC-Baustein neu zu starten, wonach die Wahlwiederholung dann wieder einwandfrei funktioniert.
Ist jedoch schon eine ganze Ziffer am Nummernschalter gewählt, so wird die vorige Telefonnummer gelöscht, und die letztgewählte Ziffer wird als Teil der neuen Nummer, bzw. als neue Nummer selbst angesehen.
Der Baustein speichert die zuletzt gewählte Telefonnummer in seinem EEPROM.
Die Wahlwiederholung kann sich eine Nummer mit maximal 127 Ziffern merken (abhängig vom PIC-Typ); dies ist weit mehr als genug, denn normale Telefonnummern bestehen aus etwa zehn Ziffern; ausländische Nummern haben ein paar mehr.

An EEPROM-Adresse 0 wird die Länge der neuen Telefonnummer geschrieben, so dass der PIC-Baustein beim folgenden Mal weiß, aus wie vielen Ziffern die Telefonnummer besteht, die er auf EEPROM-Adresse 1 gespeichert hat.
Wenn der Handapparat vom Gabelumschalter abgenommen wird und wenn eine Ziffer am Nummernschalter gewählt wird, dann wird auf EEPROM-Adresse 0 eine 1 gesetzt. Nach jeder Wahl am Nummernschalter wird diese Betragszahl um 1 erhöht.
Wird also eine Telefonnummer mit 6 Ziffern gewählt, so steht auf der EEPROM-Adresse 0 eine 6.
Wird beim nächsten Mal der Handapparat vom Gabelumschalter abgenommen und wird auf die Wahlwiederholungstaste gedrückt, so springt das PIC-Programm zum Label HerhaalToets (Wahlwiederholungstaste, der Übersetzer).
Dann wird zuerst auf EEPROM-Adresse 0 nachgeschaut, aus wie vielen Ziffern die zuletzt gewählte Nummer besteht.
Daraufhin wird nach einer jeden EEPROM-Adresse 1 t/m die Adresse, die abhängig von der Anzahl der Ziffern, aus denen die Telefonnummer besteht, ausgelesen, und es werden immer die dazugehörigen MFV-Töne in die Telefonleitung eingespeist.

Die vorige Telefonnummer im EEPROM wird nicht wirklich gelöscht, sondern durch die neu gewählte Nummer überschrieben.
Auch wenn die neu gewählte Nummer kürzer sein sollte als die vorige, so macht das nichts, weil der PIC speichert, aus wie vielen Ziffern die letzte Nummer bestanden hat.
Stellen wir also erst einmal die Telefonnummer 0356712888 (10 Ziffern) in den EEPROM hinein, wie sie darin stünde:

0
10
1
 0 
2
 3 
3
 5 
4
 6 
5
 7 
6
 1 
7
 2 
8
 8 
9
 8 
10
 8 

Danach wird die kürzere Telefonnummer 325544 (mit nur 6 Ziffern) gewählt, dann wird die vorige Nummer einfach überschrieben, jedoch nicht völlig:

0
 6 
1
 3 
2
 2 
3
 5 
4
 5 
5
 4 
6
 4 
7
 2 
8
 8 
9
 8 
10
 8 

Auf der EEPROM-Adresse 0 steht nun eine 6; diese gibt an, dass die folgenden ersten 6 Ziffern zu der zuletzt gewählten Nummer gehören (der EEPROM weiß, dass dies die letzte aktuelle Nummer ist, der Übersetzer).
Diese Ziffern lauten (von Adresse 1 an gelesen) 3, 2, 5, 5, 4 und 4.
Von EEPROM-Adresse 7 an steht noch ein Teil der vorletzten 10-ziffrigen Nummer; diesen Rest wird der PIC einfach nicht auslesen, weil die EEPROM-Adresse 0 ihm angibt, dass allein die ersten 6 EEPROM-Adressen ausgelesen werden dürfen.
(Anmerkung des Übersetzers:
Durch die Ziffernanzahl auf Adresse 0 weiß also der EEPROM immer, wie viele Stellen er auslesen muss, um die aktuelle Ziffernfolge zu verwenden.
Eventuelle Reste früherer Ziffernfolgen sind bedeutungslos.
Es ist daher unerheblich, ob die neue Rufnummer kürzer/länger als die alte oder gleich lang wie die alte Nummer ist.) 

Autor: 
Übersetzer: 
Frits Kieftenbelt
Stefan Roth

 


 

Download Schaltplan (PDF)
Download Schaltplan des Telefons T65 im Originalzustand (PDF)
Telefon forum: Umrüstung von Puls- auf Tonwahl
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